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Romanum / Rom

 

Rom. St. Peter. Allgemeines Konzil. 1.4.1412 - 3.3.1413.

In Fortführung des Konzils von Pisa (1409), auf dem nach Absetzung Benedikts XIII. und Gregors XII. mit Alexander V. (Petrus Philargi, † 3.5.1410) ein neuer Papst von den anwesenden Kardinälen der römischen und avignonesischen Obedienz gewählt worden war, rief dessen Nachfolger Johannes XXIII. (Baldassarre Cossa, gewählt am 17.5.1410) am 29.4.1411 ein Konzil für den 1. April des Folgejahres ein. Drei Monate später bestimmte er als Konzilsort das inzwischen von ihm wiedereroberte Rom. Hauptziel war es, die in Pisa unerledigt gebliebene Reform der Kirche in capite et in membris voranzutreiben. Da sich Johannes XXIII. nicht völlig gegen die beiden abgesetzten Papstprätendenten hatte durchzusetzen vermocht und diese sich in ihren stark geschrumpften Obedienzen auch weiterhin behaupteten, blieb die Reichweite der Einberufung auf seine eigene (Pisaner) Obedienz beschränkt.

    Das Echo auf Johannes' Konzilseinberufung war gering, das Konzil nur äußerst schwach besucht. Daran änderte auch eine päpstliche Bulle vom 27.5.1412 wenig, mit der die regelmäßige, alle drei Jahre erfolgende Einberufung von Provinzialsynoden erneut eingeschärft wurde. Auf einer gemeinsamen Versammlung aller französischen Bistümer (= Nationalversammlung) wurde – aus Kostengründen – nur eine zahlenmäßig kleine Delegation gewählt, die aus dem Bischof von Amiens, Bernard de Chevenon, den Äbten von Clairvaux, Fontaine-Daniel und Jumièges sowie dem Mag. Jean François bestand. Auch hatte die Universität Paris eine offizielle Gesandtschaft nach Rom geschickt. Unabhängig davon reisten weitere Franzosen nach Rom, so der Patriarch von Alexandria Simon de Cramaud, der kurz nach der Vertagung des Konzils, am 13.4.1413, zum Kardinal promoviert wurde, der Bischof von Cambrai, Pierre d'Ailly, sowie der Dekan des Reimser Kathedralkapitels Guillaume Fillastre – beide waren von Johannes XXIII. bereits am 6.6.1411 zu Kardinälen ernannt worden. Neben den Franzosen waren auch Teilnehmer aus Italien, England und dem Reich sowie anderen Gebieten, die der Obödienz Johannes' XXIII. anhingen, anwesend.

    Die Synode tagte in St. Peter (nicht im Lateran!); jedoch kam sie kaum zur inhaltlichen Arbeit. Insofern war es von untergeordneter Bedeutung, dass die Doktoren der Theologie und des kanonischen Rechts – nach Vorbild des Pisanums – wiederum das Stimmrecht erhielten. Die Predigt auf der Eröffnungssitzung des Konzils am 10.2.1413, der vermutlich einzigen Sitzung, hielt Kardinal Francesco Zabarella, der sich scharf gegen die Lehren des Engländers John Wyclif († 1384) aussprach. Dessen ekklesiologische Ansichten waren bereits zuvor, am 2.2.1413, durch das päpstliche Dekret Inter omnes als häretisch verurteilt worden, seine inkriminierten Schriften sollten verbrannt werden. Dieses Dekret sollte später in Konstanz bestätigt werden (5. Sitzung, 6.4.1415). Ebenso dürfte sich das Konzil mit der Reform der Kirche beschäftigt haben; so hatten die Gesandten der Pariser Universität umfangreiche, maßgeblich von d'Ailly formulierte Reformpläne (Avisata) mitgebracht. Zur Beschlussreife gelangte jedoch keiner der Reformvorschläge. Das Pariser Reformprogramm zeigte indes längerfristige Wirkung, als der Kardinal es auf dem Constantiense erneut in die Diskussion einbrachte.

    Ob nach dem 10.2.1413 noch weitere Arbeitssitzungen stattfanden, ist ungewiss. Die politisch sich zuspitzende Situation, hervorgerufen durch den Versuch König Ladislaus' von Neapel, sich der Stadt Rom erneut zu bemächtigen, beschleunigte das Ende des Konzils. Am 3. März wurde es durch die Bulle Ad regimen zunächst auf den 1.12.1413 vertagt, fand dann aber erst nach Verhandlungen zwischen Johannes XXIII. und dem gewählten römischen König Sigmund seine Fortsetzung in Konstanz (1414-1418).

    Aufgrund der ungünstigen Quellensituation sowie einer spärlichen Überlieferung ist die Aufarbeitung des römischen Konzils von 1412/13 bis heute ein Forschungsdesiderat.

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QQ: Martène-Durand, Veterum scriptorum … amplissima collectio VII 1175-1201; Mansi XXVII 505-507, 537B; ACC I, ed. H. Finke (Ms 1896, ND 1976), 108-167 Nrn. 31-40; IV (Ms 1928, ND 1982), 643 Nr. 500; Chronique du Religieux de Saint-Denys IV/2, ed. L. Bellaguet, Paris 1842 (ND Ann Arbor-London 1980), 730-732; Antonio di Pietro dello Schiavo: Il Diario romano, ed. F. Isoldi, Città di Castello 1917, 76f. [= RIS 24/5]; Le Liber pontificalis, ed. L. Duchesne, P 21955, II 536f.

Lit.: Hefele-Leclercq VII 88-98; H. Finke, in: ACC I 108-127; J. Leinweber, Die Provinzialsynoden in Frankreich vom Konzil von Vienne bis zum Konzil von Trient (1312-1545), Au 1975 [= unveröffentl. Habil.schrift], 128f., 130-133 / ND Fr 2013, 73-75; A. Frenken, Die Erforschung des Konstanzer Konzils in den letzten 100 Jahren, Pb 1995 [= AHC 25 (1993) 1-512], 121f., 179, 268; W. Brandmüller, Das Konzil von Konstanz I, Pb 21999 [= KonGe.D] (Reg.); A. Frenken, Das Konstanzer Konzil, S 2015, 50f. – DizConc 4 (1966) 307; DHGE 30 (2010) 908f.

 

Frenken, Ansgar